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Genfersee bietet nicht nur majestätische Alpenkulisse

by Nicole-Nadine Hessler
Genfersee Genfersee
Genfersee Genfersee
Genfersee Genfersee
Genfersee Genfersee

Der Genfersee, international Lac de Genève, liegt entlang der Waadtländer Alpen an der Grenze zwischen der westlichen Schweiz und der im Osten des Landes gelegenen französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes. Er entstand durch die Aushobelung von Alpengletschern mehrerer Eiszeiten. Nach dem Plattensee in Ungarn stellt er mit rund 580 Quadratkilometern den zweitgrößten und zugleich wasserreichsten See Mitteleuropas dar, außerdem das größte stehende Gewässer der Schweiz und Frankreichs. An der tiefsten Stelle ist der Genfersee 310 Meter tief.

Aufgrund des milden mediterranen Klimas, des vielfältigen Freizeitangebots sowie der idyllischen Landschaft mit Zypressen und Palmen zählt das Gebiet rund um das Gewässer zu den beliebtesten Reisezielen Europas. Innerhalb des schweizerischen Teils befinden sich sieben kleine Inseln, bei welchen es sich um beliebte Ausflugsziele handelt. Auch mit diversen Sehenswürdigkeiten lockt die Region jährlich zahlreiche Besucher an.

Das Wasser des Genfersees
Der Genfersee wird vor allem durch die Rhône gespeist, die auf einer Länge von etwa 800 Kilometern die Schweiz und Frank- reich durchquert. Sie mündet über ein Delta in der walliserischen Ortschaft Le Bouveret in der Schweiz in den See und fließt bei Genf wieder hinaus. Der zweitwichtigste Zulauf ist die Dranse, ein Gebirgsfluss in Frankreich, gefolgt von der Venoge und Aubonne in der Schweiz. Alle Zuläufe des Sees benötigen im Schnitt 10,4 Jahre für den Durchfluss. Die Qualität des Wassers beobachtet und beurteilt eine eigene Institution, die Commission internationale pour la protection des eaux du Léman.

Aufgrund der hervorragenden Güte, die laufend in der Mitte des Gewässers und an elf Pumpstationen kontrolliert wird, können jährlich etwa 80 Millionen Kubikmeter Genferseewasser zu Trinkwasser aufbereitet werden. Aufgrund des hohen Sauerstoffgehalts kommt es jedoch zu einer verstärkten Vermehrung von Algen, die im Sommer vor allem die Arbeit der Fischer behindern. Aber auch die Schwimmer und Taucher fühlen sich durch das fadenförmige Phytoplankton gestört.

Ebenso ist eine verstärkte Verschmutzung des Genfersees zu beobachten – durchschnittlich werden 125 Gramm Plastikmüll pro Quadratkilometer gemessen. Allerdings sind die zuständigen Behörden beider Länder, sowohl der Schweiz als auch Frankreichs, stets bemüht, das Gewässer sauber und für Touristen attraktiv zu halten.

Ufer und Städte am See
Der Genfersee liegt zu 60 Prozent auf schweizerischem und zu 40 Prozent auf französischem Staatsgebiet und wird in den beiden Ländern Le Léman bzw. le Lac Léman genannt. Aufgrund seiner nicht einheitlichen Entstehungsgeschichte wird das Gewässer offiziell in drei unterschiedlich umfangreiche Teile gegliedert: Haut Lac (Obersee), Grand Lac (Großer See) und Petit Lac (Kleiner See).

Das Nordufer des Genfersees, das als La Côte (Weinbau- Region) bezeichnet wird, gehört zum Kanton Waadt in der Schweiz. Im Nordwesten liegen die Städte Nyon, Lausanne und Rolle im Kanton Waadt sowie Versoix im Kanton Genf. Im Nordosten, der sogenannten Waadtländer Riviera oder Lavaux, befinden sich die Städte Vevey und Montreux.

In Lausanne hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine Zentrale, in Vevey der Nahrungsmittelkonzern Nestlé, und Nyon ist der Sitz des europäischen Fußballverbandes UEFA.

Bei Montreux handelt es sich um einen beliebten Tourismusort mit bekannten Filmfestspielen. Das Südufer des Genfersees gehört vorwiegend zum französischen Departement Haute-Savoie, ein kleiner Teil zählt zum Kantonshauptort Genf. Die größten Städte dieses Gebiets sind Thonon-les-Bains und Évian-les-Bains. Letztere ist vor allem aufgrund des in 120 Ländern auf der ganzen Welt vertriebenen Mineralwassers „Evian“ international bekannt.

Sehenswürdigkeiten im und am Genfersee
Im Genfersee liegen sieben kleine Inseln, alle im schweizerischen Teil des Gewässers. Auf der Île de Chillon, die bereits in der Bronzezeit bewohnt war, befindet sich Schloss Chillon. Es handelt sich dabei um das meistbesuchte historische Gebäude des Landes. Das Bauwerk ist mit einer ersten Erwähnung im Jahr 1150 eine der ältesten Wasserburgen weltweit.

Die Île aux oiseaux, auch Vogelinsel genannt, dient als Zwischenstopp für Zugvögel auf ihrem Weg in den Süden, und die Île de la Harpe wurde 1835 von lokalen Kaufleuten angelegt, um den Hafen von Rolle vor Erosion zu schützen. Die mit einigen Bäumen bewaldete Île Rousseau befindet sich am Abfluss der Rhône, ist über eine Brücke erreichbar und nach dem Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau benannt. Darüber hinaus existieren noch die Eilande Île de Peilz, die Île de Salagnon und die Île de Choisi. Bei Pierre du Niton und Pierre Dyolin, häufig fälschlicherweise zu den Inseln gerechnet, handelt es sich lediglich um zwei Felsen im Hafen von Genf, wobei sich auf ersterem der Referenzpunkt der Höhenmessung in der Schweiz befindet. Eine besonders markante Sehenswürdigkeit stellt der Jet d’eau dar, ein Springbrunnen im Hafen von Genf, der das gesamte Stadtbild prägt. Seine Fontäne transportiert das Wasser in eine Höhe von bis zu 140 Metern.

Einen Ausflug wert sind die Weinbauterrassen des Lavaux, die jährlich zu Pfingsten Tage des offenen Weinkellers anbieten und bei welchen es sich um ein UNESCO- Weltkulturerbe handelt. Ebenso interessant sind der Berg Rochers de Naye mit einem sagenhaften Blick auf den See und die Stadt Lausanne mit der ersten Berg-U-Bahn des Landes sowie der Notre-Dame.

Wenn Sie mehr über den Genfersee selbst erfahren wollen, statten Sie dem Museum in Nyon einen Besuch ab, das die gesamte Entstehung des Gewässers dokumentiert. Für Filmliebhaber gibt es das Charlie-Chaplin-Museum in Corsier-sur-Vevey. Das Panorama der Gegend genießen Sie bei einer Fahrt mit dem Panoramic-Express ab Montreux, dem Swiss Chocolate Train, ebenfalls ab Montreux und über Gruyères und Broc, oder mit dem Schiff auf dem See. Zudem findet jährlich im Sommer das Montreux-Jazz-Festival, eines der be- kanntesten Events dieser Art, statt.

Historisches und Kurioses rund um den Genfersee
Im Genfersee befinden sich zahlreiche Reste prähistorischer Pfahlbauten, die um 1850 entdeckt wurden und heute einen Teil des UNESCO-Weltkultur- erbes darstellen. In etwa 60 Metern Tiefe liegt das Wrack des Raddampfers Hirondelle, der nach der Kollision mit einer Felsformation im Juni 1863 sank.

Heute stellt das verunglückte Schiff, ebenso wie fünf kleine im Genfersee untergegangene Boote vor der Gemeinde Hermance, ein beliebtes Ziel für Taucher dar. Ebenso beliebt bei Unterwassersportlern ist eine rund 100 Meter hohe Felswand unter der Seeoberfläche direkt vor dem Schloss Chillon.

Im August 1910 flog der französisch-schweizerische Luftfahrtpionier, Konstrukteur und Erfinder Armand Dufaux mit seinem Doppeldecker „Dufaux 4“ über den Genfersee. Er benötigte für die rund 66 Kilometer quer über das Gewässer weniger als eine Stunde Zeit und gewann damit das von dem Automobilunternehmen Perrot Duval ausgeschriebene Preisgeld von 5.000 Franken. Private Unternehmen haben in den 1950er- und 1960er-Jahren geschätzt bis zu 1.000 Tonnen nicht mehr benötigter Munition im Genfersee versenkt, die seither teils offen auf dem Grund des Gewässers liegt.

An einer Stelle fand man scharfe Geschosse in 50 Metern Tiefe, rund 150 Meter von einer Trinkwasserentnahmestelle und einer Gasleitung entfernt. Der Brand im Casino von Montreux im Dezember 1971 inspirierte die Rockband Deep Purple zu ihrem Welthit „Smoke on the Water“. Dieser Song erzählt die Geschichte des Feuers, das während eines Konzerts des Rockstars Frank Zappa die Spielhalle komplett vernichtete. Der Titel des Stücks bezieht sich auf den dichten Qualm, der über den Genfersee zog und den die Musiker der Band von ihrem Hotel aus beobachteten.

Tourismus und Freizeitaktivitäten
Neben dem Fischfang und der Bedeutung als Schiffverkehrsweg, die zwei der größten wirtschaftlichen Komponenten darstellen, lebt die Region um den Genfersee vom Tourismus und einem großen Angebot an Freizeitaktivitäten. So können Sie beispielsweise in Ihrem Urlaub Radtouren um den See machen, in der Region wandern gehen oder im Winter in den Bergen ringsum Ski fahren. Besonders gern geht man im Sommer natürlich auch baden, segeln oder fährt Wasserski bzw. Wakeboard. Es werden im, auf und um den See auch professionelle Schwimmwettkämpfe, Ruder- und Segelregatten sowie Radrennen ausgetragen.

Am Ufer des Genfersees befinden sich zahlreiche Unterkünfte bzw. Hotels, die ihre Gäste mit glamourösem Luxus wie einem eigenen Spa, Fitnesscenter, elitären Suiten und reichhaltigem Frühstück verwöhnen. Sie können Ihre bevorzugte Übernachtungsmöglichkeit bei einem Urlaub an einem der schönsten Seen der Welt gut über eine Booking-Plattform aussuchen und sofort online buchen. Der Preis pro Nacht, je nach Unterkunft bzw. Hotel und Anzahl der Sterne, beträgt zwischen 80 und 450 Euro pro Person.

Auf der Straße erfolgt die Anreise an den Genfersee entsprechend der Navigation über die A2 von Zürich nach Lausanne. Die Bahn bringt Urlauber mit Intercitys von Basel, Bern oder Zürich nach Genf und Lausanne. In Genf gibt es zudem einen internationalen Flughafen, der aus allen Ländern Europas angeflogen werden kann.

Diesen und viele weitere interessante Berichte lesen Sie in der Eat & Travel Magazine Summer Edition 2020.

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