Der Mandragore – der höchste Kohlenstoffsenkturm der Welt

Das Designteam von Rescubika ist stolz darauf, Mandragore, sein neuestes Projekt, vorzustellen. „Mandragore“ klingt nach „Harry Potter“, und tatsächlich hat es fast etwas Magisches. Es sieht aus wie ein gewöhnlicher Wohnturm und liegt im Zentrum von Roosevelt Island, zwischen der Queensboro Bridge und dem südlichen Ende der Insel. Der Turm ist nach der Alraune benannt, einer Pflanze, um deren Wurzeln sich wegen ihres menschenähnlichen Aussehens viele Legenden ranken (auch in „Harry Potter“ taucht sie auf). Die Pflanze ist reich an Alkaloiden, die halluzinogene Eigenschaften haben daher ist sie ungeachtet des Mythos auch für Botaniker interessant. Wie die Pflanze ist auch dieses Projekt eine Anspielung auf eine menschliche Figur und ein Symbol für eine Körperbewegung, die gleichbedeutend mit Leben ist. Dieser unermesslich hohe Turm konfrontiert uns mit unserem eigenen Schicksal und erinnert uns daran, dass wir unsere Umwelt bewahren müssen, um in friedlicher Symbiose mit der Natur zu leben.

Mandragore - Kohlenstoffneutralität 2050

Ziel des Mandragore bis 2050 Kohlenstoffneutralität

Der Mandragore ist als Kohlenstoffsenke konzipiert, oder als Reservoir, das aktiv daran arbeitet, den in der Biosphäre zirkulierenden Kohlenstoff zu reduzieren. Dies ist besonders wichtig in einer Welt, in der der Kohlenstoffgehalt aufgrund der enormen Menge an Kohlenstoffemissionen, die durch das moderne Leben freigesetzt werden, stark ansteigt. In der Kohlenstoffsenke wird Kohlenstoff im Inneren lebender Materie eingeschlossen und mehr oder weniger dauerhaft in diesem organischen Material gehalten. Auf diese Weise tragen Kohlenstoffsenken zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre bei und spielen eine Schlüsselrolle in unserem Kampf gegen den Treibhauseffekt. Das Projekt hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt – bis 2050 die Kohlenstoffneutralität zu erreichen, um den globalen Temperaturanstieg auf nur zwei Grad zu verlangsamen. Der Mandragore-Turm setzt verschiedene Maßnahmen zur Dekarbonisierung der Atmosphäre um, wobei die erste davon die Nutzung passiver Energien ist.

Der „kanadische Brunnen“ (auch als Klimasenke bekannt) ist eine geothermische Oberflächenlösung, die, wenn alles gut geht, die Luft im Winter erwärmen und im Sommer kühl halten soll. Da sie mit einem Luft-Boden-Wärme-austausch arbeitet, ist keine externe Energiequelle erforderlich, weshalb sie als passiv bezeichnet wird. Die Grundvoraussetzung ist ein Netzwerk von unterirdischen Rohren, die wie ein Luft-Boden-Wärmetauscher funktionieren, der in Abhängigkeit von der Umgebungslufttemperatur (der außerhalb des Gebäudes eingefangenen Luft) und der Temperatur des Bodens arbeitet, die in ausreichender Tiefe konstant bleibt. Der Luftstrom wird im Winter warm und im Sommer kühl sein, wodurch im Gebäude das ganze Jahr über eine gleichmäßige Temperatur herrscht. Andere Methoden zielen ab auf eine langfristige „Energienüchternheit“, bei der das Arbeiten von zu Hause aus in Zukunft ein ganz normaler Teil des Lebens ist.

Diese einfache Änderung wird den Verkehr der Pendler und damit auch die Kohlenstoffemissionen auf ein Minimum reduzieren. Energienüchternheit ist ein politisches Konzept, das darauf abzielt, den Energieverbrauch durch Änderungen des persönlichen Lebensstils (z. B. durch den Verzicht auf tägliches Pendeln) sowie in der Gesellschaft (wobei das Leben so kohlenstoffneutral wie möglich gelebt wird) zu reduzieren. Es geht darum, die Produktion von Gütern und Dienstleistungen einzuschränken und den nationalen Verbrauch auf ein nachhaltiges Niveau zu senken. Das Mandragore-Projekt wird die Menge an freiem Kohlenstoff in der Atmosphäre reduzieren und das Ökosystem weniger verschmutzen als herkömmliche Bauten.

Dank der Art der verwendeten Holzmaterialien, der Gesamtform des Mandragore-Projekts und der großen Anzahl von Pflanzen und Sträuchern in der gesamten Struktur wird der Kohlenstoff gebunden werden. Das Projekt ist eine Antwort auf „die Stadt von morgen“. Es steht für eine Stadt, die aktiv – und positiv – mit dem Menschen in seinem bevölkerungsreichsten Gebiet interagiert. Eine Stadt, die den Kohlenstoff-Fußabdruck bis 2050 in Richtung Neutralität treiben wird. Aber all dieser Nutzen, den die Kohlenstoffsenke bringt, ist nicht das Einzige, was das Mandragore-Projekt ausmacht: Der Turm sieht auch auffallend gut aus!

Diesen und viele weitere interessante Berichte lesen Sie in der Eat & Travel Magazine Autumn Edition 2020.

Fotos © Rescubika creations – Patterlini Benoit

Weitere Empfehlungen